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Konkurrenz für Zalando? Showroom launcht deutsche Plattform

Das polnische Start-Up Showroom will seine Fashion-Plattform www.shwrm.de in Deutschland etablieren. Junge Independent-Designer haben hier die Möglichkeit, ihre Kreationen online zu präsentieren und zu verkaufen.

Fashion ist neben Elektroartikeln und Büchern eine der Hauptbranchen im E-Commerce. Immerhin wurden 2014 mehr als 11 Mrd. Euro allein in Deutschland im Bereich Kleidung und Schuhe online umgesetzt – Tendenz steigend. Wer möchte da nicht ein Stück vom großen Kuchen abhaben? Das dachten sich vor drei Jahren wohl auch die beiden Gründer von Showroom Jasiek Stasz und Michał Juda. Mittlerweile hat das Start-Up den dritten Platz beim SevenVenturesPitchDay-Wettbewerb in Berlin belegt und startete im Oktober ihre Mediaoffensive mit einem TV-Spot bei der ProSiebenSat1-Gruppe.

Auf so manchem Blog liest man des Öfteren die Frage, ob das Unternehmen den etablierten Mode-Händlern wie Zalando zur Konkurrenz erwachsen kann. Aber stellt sich die Frage so überhaupt? Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass sich der Wettbewerb im Modesegment stark verdichtet und dass ein Vorstoß als Newcomer definitiv zu hinterfragen ist. Die Konkurrenz sind Hochkaräter wie Zalando, About You und vielleicht auch bald Amazon Fashion, das 2016 ein eigenes Modelabel herausbringen wird. Da macht es nur wenig Sinn als Neuankömmling zu glauben, dass man diesen Unternehmen gewachsen ist und sich behaupten kann. Mit dem Medienkonzern Hubert Burda Media steht zwar ein Anteilseigener hinter Showroom, der über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, dennoch ist stark anzuzweifeln, ob man sich durchsetzen kann. Es sei denn, man wählt einen anderen Ansatz als die großen Player.

Alleinstellungsmerkmal gesucht

showroomModomoto und Outfittery haben zum Beispiel nicht das Rad neu erfunden, sondern das Curated-Shopping in den Online-Handel erfolgreich integriert, was ihnen Zalando und About You nun gleichtun. Showroom setzt auf eine ganz andere Strategie und definiert sich zunächst nicht über eine spezielle Serviceleistung, sondern möchte mit den ungewöhnlichen Artikeln überzeugen. Man versteht sich als Plattform für ungewöhnliche Kollektionen von wenig bekannten Independent-Designern. Keine „Standardware“ und das ist eben der Unterschied.

Die Frage ist jetzt, ob das ausreicht, um nachhaltig erfolgreich zu sein? Das lässt sich jetzt natürlich noch schwer vorhersagen, inwieweit die Kunden auf Independent-Fashion dauerhaft anspringen. Das erscheint mir sehr trendabhängig. Was dagegen weniger Schwankungen unterliegt, sind die Vorgaben an einen funktionierenden Shop. Und das erste, das ins Auge fällt, wenn man den Shop öffnet, ist ein automatischer Slider. Es gehört mittlerweile zum Standard diese schnell wechselnden Bildchen zu verwenden, auch wenn sie nachweislich eher keine oder negative Effekte auf den Besucher haben. Bei Showroom hätte man sich diesen definitiv sparen können, denn inhaltlich transportiert dieser keine Message, welche die Navigationsleiste nicht allein hätte abdecken können. So wird man unnötigerweise von wechselnden inhaltslosen Inhalten irritiert.

Independent aber wenig kreativ 

showroom2Durchaus ansprechend kommt ansonsten das Design des Shops daher und bietet auch den Designern einen eigenen Menüpunkt zur individuellen Präsentation. Sobald man allerdings auf eine der Marken klickt, bietet sich ein altbekanntes Bild: Die Präsentation der Artikel wirkt wie von der Stange. Artikel neben Artikel. Jacke neben Hose. Der typische und nur bedingt hilfreiche Produktfilter fehlt natürlich auch nicht. Der Vergleich zwischen Warenlager und Boutique kommt in den Sinn, aber wäre in diesem Fall übertrieben. Dennoch – die Präsentation von Independent-Kollektionen hätte ich mir anders vorgestellt. Etwas weniger „dependent“ von den herkömmlichen Shops zumindest. Eben mehr als „Showroom“. Hier muss sich das Unternehmen an den eigenen Claims messen lassen. Im TV-Werbespot heißt es: „Du bist nicht wie alle anderen!“ Wenn ich anders bin, warum soll ich dann bei einem Shop einkaufen, der wie alle anderen ist?

Auch in Sachen Personalisierung erscheint mir noch Nachholbedarf. Man versucht zwar unter der Rubrik „Lass dich inspirieren“ beratend zur Seite zu stehen, es bleibt aber nur ein gutgemeinter Versuch. Man wird unmittelbar zur Artikelseite weitergeleitet. Ein paar Kombinationstipps wären vielleicht ganz hilfreich. Es ist natürlich Kritik auf hohem Niveau, aber wenn man sich dauerhaft als Mode-Online-Shop positionieren möchte, dann mangelt es nach meinem Empfinden an der Kreativität der Darstellung und an der Betreuung der User. Der USP liegt sicherlich bei den ungewöhnlichen Produkten. Die Frage stellt sich nur, ob man sich nicht zu sehr darauf verlässt?

(Beitragsbild: Shutterstock / Screenshots: www.shwrm.de)

Ralf Theis
Ralf Theis
Ralf Theis ist PR & Marketing Manager bei der Flagbit GmbH & Co. KG. Er ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Social Media und Eventorganisation. Er beschäftigt sich intensiv mit aktuellen Trends sowie innovativen Shopkonzepten und bloggt regelmäßig auf ecommerce-forum.de.

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